Internetseite von Peter Hemetsberger

Hauptseite
Schule
Lernprogramm
Latein
  Texte
  Grammatik
  Lexikon
Lexikon (kleine Displays)
Griechisch
Informatik
Latinitas viva
Lehrbuch LLC
Cäsar - ProbeschularbeitenCäsar - Lösungen DamoklesschwertApuleiusOvidOvid (neu)Sallust
TacitusVergil
Damoklesschwert
(57)Duo de quadraginta annos tyrannus Syracusanorum fuit Dionysius, cum quinque et viginti natus annos dominatum occupavisset. Qua pulchritudine urbem, quibus autem opibus praeditam servitute oppressam tenuit civitatem! Atqui de hoc homine a bonis auctoribus sic scriptum accepimus, summam fuisse eius in victu temperantiam in rebusque gerundis virum acrem et industrium, eundem tamen maleficum natura et iniustum. Ex quo omnibus bene veritatem intuentibus videri necesse est miserrimum. Ea enim ipsa, quae concupierat, ne tum quidem, cum omnia se posse censebat, consequebatur. (57) 38 Jahre lang war Dionysius Tyrann der Syrakusaner, nachdem er mit 25 Jahren die Herrschaft ergriffen hatte. Eine Stadt mit welcher Schönheit, eine Bürgerschaft aber, die mit welchem Reichtum ausgestattet war, hielt er in Knechtschaft unterdrückt! Jedoch hörten wir, wie über diesen Menschen von guten Schreibern so geschrieben worden ist, daß sein Maßhalten in der Lebensweise sehr groß gewesen ist und er beim Ausführen von Dingen ein energischer und eifriger Mann gewesen ist, dennoch auch ein von Natur aus bösartiger und ungerechter. Infolge dessen muß er allen, die richtig auf die Wahrheit schauen, notwendig sehr elend erscheinen. Denn eben das, was er sehr gewünscht hatte, erreichte er nicht einmal dann, als er glaubte, alles zu vermögen.
(58)Qui cum esset bonis parentibus atque honesto loco natus, etsi id quidem alius alio modo tradidit, abundaretque et aequalium familiaritatibus et consuetudine propinquorum, haberet etiam more Graeciae quosdam adulescentes amore coniunctos, credebat eorum nemini, sed iis, quos ex familiis locupletium servos delegerat, quibus nomen servitutis ipse detraxerat, et quibusdam convenis et feris barbaris corporis custodiam committebat. Ita propter iniustam dominatus cupiditatem in carcerem quodam modo ipse se incluserat. Quin etiam, ne tonsori collum committeret, tondere filias suas docuit. Ita sordido ancillarique artificio regiae virgines ut tonstriculae tondebant barbam et capillum patris. Et tamen ab his ipsis, cum iam essent adultae, ferrum removit instituitque, ut candentibus iuglandium putaminibus barbam sibi et capillum adurerent. (58)Denn obwohl er von guten Eltern und ehrenhafter Abstammung geboren war, obwohl das freilich jeder auf andere Weise überlieferte, und im Überfluß sowohl Freundschaften mit Gleichaltrigen als auch Umgang mit Verwandten hatte, und auch nach der Sitte Griechenlands auch bestimmte junge Leute hatte, die ihm in Liebe verbunden waren, vertraute er niemandem von ihnen, sondern er vertraute diesen Sklaven, die er aus der Sklavenschaft der Reichen ausgewählt und denen er selbst die Bezeichnung des Sklavenseins abgenommen hatte, und bestimmtem zusammengelaufenen Volk und wilden Barbaren die Wache über seinen Körper an. So hatte er sich wegen der ungerechten Begierde nach Herrschaft gewissermaßen selbst in einen Kerker eingeschlossen. Ja er lehrte sogar seine Töchter, um seinen Hals nicht einem Bartschneider anzuvertrauen, bartscheren. So schnitten in einem schmutzigen und mägdegleichen Handwerk Mädchen von königlicher Abstammung wie Friseusen den Bart und das Haar ihres Vaters. Und doch entfernte er von gerade ihnen, als sie schon herangewachsen waren, das Messer und ordnete an, daß sie ihm mit glühenden Walnußschalen den Bart und das Haar abbrennen.
(59)Cumque duas uxores haberet, Aristomachen, civem suam, Doridem autem Locrensem, sic noctu ad eas ventitabat, ut omnia specularetur et perscrutaretur ante. Et cum fossam latam cubiculari lecto circumdedisset eiusque fossae transitum ponticulo ligneo coniunxisset, eum ipsum, cum forem cubiculi clauserat, detorquebat. Idemque cum in communibus suggestis consistere non auderet, contionari ex turri alta solebat. (59) Und als er zwei Ehefrauen hatte, Aristomache, seine Mitbürgerin, Doris aber aus Lokroi, kam er so in der Nacht gewöhnlich zu ihnen, daß er vorher alles auskundschaftete und durchsuchte. Und nachdem er einen breiten Graben um das Ehebett gegeben hatte, und den Übergang über diesen Graben mit einer hölzenen Zugbrücke überbrückt hatte, zog er diese selbst, nachdem er die Tür zum Schlafgemach verschlossen hatte, weg. Und weil er auch nicht wagte, sich auf öffentliche Rednerbühnen zu stellen, pflegte er aus einem hohen Turm in der Versammlung zu sprechen.
(60)Atque is cum pila ludere vellet - studiose enim id factitabat - tunicamque poneret, adulescentulo, quem amabat, tradidisse gladium dicitur. Hic cum quidam familiaris iocans dixisset: "Huic quidem certe vitam tuam committis", adrisissetque adulescens, utrumque iussit interfici, alterum, quia viam demonstravisset interimendi sui, alterum, quia dictum id risu adprobavisset. Atque eo facto sic doluit, nihil ut tulerit gravius in vita; quem enim vehementer amarat, occiderat. Sic distrahuntur in contrarias partes inpotentium cupiditates: cum huic obsecutus sis, illi est repugnandum. (60) Und wenn dieser mit dem Ball spielen wollte - denn das tat er eifrig - und seine Tunica ablegte, soll er einem jungen Mann, den er liebte, sein Schwert gegeben haben. Als da ein Vertrauter im Scherz gesagt hatte "Diesem freilich vertraust du gewiß dein Leben an", und dazu der junge Mann gelacht hatte, ließ er beide töten, den einen, weil er einen Weg gezeigt hatte, ihn zu töten, den anderen, weil er diesen Ausspruch durch das Lachen gebilligt habe. Und wegen dieser Tat litt er so, daß er in seinem Leben nichts schwerer genommen hat; denn, den er heftig geliebt hatte, hatte er getötet. So werden die Begierden der Unbeherrschten in entgegengesetzte Richtungen gezerrt: wenn man dem einen folgen sollte, muß man dem dem anderen widersagen.
(61)Quamquam hic quidem tyrannus ipse iudicavit, quam esset beatus. Nam cum quidam ex eius adsentatoribus, Damocles, commemoraret in sermone copias eius, opes, maiestatem dominatus, rerum abundantiam, magnificentiam aedium regiarum negaretque umquam beatiorem quemquam fuisse, "Visne igitur", inquit, "o Damocle, quoniam te haec vita delectat, ipse eam degustare et fortunam experiri meam?" Cum se ille cupere dixisset, conlocari iussit hominem in aureo lecto strato pulcherrimo textili stragulo, magnificis operibus picto, abacosque conplures ornavit argento auroque caelato. Tum ad mensam eximia forma pueros delectos iussit consistere eosque nutum illius intuentes diligenter ministrare. (61)Freilich urteilte dieser Tyrann selbst, wie glücklich er ist. Denn als Damokles, einer von seinen Schmeichlern, in einer Rede sein Vermögen, seine Macht, die Hoheit seiner Herrschaft, die Fülle der Dinge, die Pracht des Königspalastes erwähnte und sagte, daß niemals jemand glücklicher gewesen sei, sagte er "Willst du also, Damokles, weil dich ja dieses Leben erfreut, es selbst kosten und mein Los versuchen?" Als jener ja gesagt hatte, befahl er den Menschen auf ein goldenes Bett zu legen, nachdem eine sehr schöne gewebte Decke ausgebreit worden war, die mit prächtigen Werken bemalt war, und er schmückte mehrere Prunktische mit (Gefäßen aus) ziseliertem Silber und Gold. Dann befahl er einigen auserwählten Knaben von ausnehmender Schönheit sich an den Tisch zu stellen, auf seinen Wink zu schauen und sorgfältig zu Diensten zu sein.
(62)Aderant unguenta, coronae; incendebantur odores, mensae conquisitissimis epulis exstruebantur: fortunatus sibi Damocles videbatur. In hoc medio apparatu fulgentem gladium e lacunari saeta equina aptum demitti iussit, ut inpenderet illius beati cervicibus. Itaque nec pulchros illos ministratores aspiciebat nec plenum artis argentum nec manum porrigebat in mensam; iam ipsae defluebant coronae; denique exoravit tyrannum, ut abire liceret, quod iam beatus nollet esse. Satisne videtur declarassse Dionysius nihil esse ei beatum, cui semper aliqui timor inpendeat? Atque ei ne integrum quidem erat, ut ad iustitiam remigraret, civibus libertatem et iura redderet; iis enim se adulescens inprovida aetate inretierat erratis eaque commiserat, ut salvus esse non posset, si sanus esse coepisset. (62) Es waren da Salben und Kränze; Düfte wurden entzündet, die Tische wurden aufgeschichtet mit erlesensten Speisen. Damokles kam sich glücklich vor. In dieser Vorrichtung in der Mitte ließ er ein glänzendes Schwert von der Decke an ein Pferdehaar anbinden und herablassen, sodaß es dem Hals jenes Glücklichen drohte. Daher schaute er weder jene schönen Diener an noch das von Kunstfertigkeit volle Silber und er streckte seine Hand nicht zum Tisch; schon glitten sogar die Kränze herab; schließlich erweichte er durch Bitten den Tyrannen, daß er weggehen darf, weil er nicht mehr "glücklich" sein wolle. Scheint Dionysius hinreichend erklärt zu haben, daß für den nichts glücklich ist, dem immer irgendeine Angst droht? Und für ihn war es nicht einmal freistehend, zur Gerechtigkeit zurückzugehen und seinen Mitbürgern die Freiheit und das Recht (freier Bürger) zurückzugeben; denn er hatte sich als junger Mann in unbekümmertem Alter in diese Fehler verstrickt und sie begangen, daß er nicht vernünftig sein konnte, wenn er vernünftig zu sein begonnen haben würde.
22 (63) Quantopere vero amicitias desideraret, quarum infidelitatem extimescebat, declaravit in Pythagoriis duobus illis, quorum cum alterum vadem mortis accepisset, alter, ut vadem suum liberaret, praesto fuisset ad horam mortis destinatam, "Utinam ego" inquit "tertius vobis amicus adscriberer!" Quam huic erat miserum carere consuetudine amicorum, societate victus, sermone omnino familiari, homini praesertim docto a puero et artibus ingenuis erudito! Musicorum vero perstudiosum, petam etiam tragicum accepimus - quam bonum, nihil ad rem; in hoc enim genere nescio quo pacto magis quam in aliis suum cuique pulchrum est; adhuc neminem cognovi petam (et mihi fuit cum Aquinio amicita), qui sibi non optumus videretur; sic se res habet: te tua, me delectant mea -. Sed ut ad Dionysium redeamus, omni cultu et victu humano carebat; vivebat cum fugitivis, cum facinerosis, cum barbaris: neminem, qui aut libertate dignus esset aut vellet omnino liber esse, sibi amicum arbitrabatur.

23 (64) Non ego iam cum huius vita, qua taetrius, miserius, detestabilius excogitare nihil possum, Platonis aut Archytae vitam comparabo, doctorum hominum et plane sapientium: ex eadem urbe humliem homunculum a pulvere et radio excitabo, qui multis annis post fuit, Archimedem. Cuius ego quaestor ignoratum ab Syracusanis, cum esse omnino negarent, saeptum undique et vestitum vepribus et dumetis indagavi sepulcrum. Tenebam enim quosdam senariolos, quos in eius monumento esse inscriptos acceperam, qui declarabant in sollo sepulcro sphaeram esse positam cum cylindro.